Die Erschöpfung und das Aufhören, das Enden, verschreibt sich einer Insistenz, die sich weder auf eine Transzendenz stimmt, noch den schmerzhaften Aufbruch verleugnet. Sie geht, zuweilen starr, ohne sich im geringsten zu rühren, weg. Solch aufbrechendes Gehen bricht auch zum verlorengegangenen Kind auf … Merkwürdig mutet so der Brief an, den Herman Melville seiner Tochter Bessie vom Pazifischen Ozean aus am 2. September 1860 zukommen lässt. “Diese Vögel haben kein Zuhause, außer einigen wüsten Felsen mitten im Ozean. Sie sehen niemals einen Obstgarten, und kennen den Geschmack von Äpfeln und Kirschen nicht, wie dein kleiner Freund in Pittsfield, Herr Robin Rotkehlchen … Ich hoffe, dass du gut auf Klein Fanny aufpaßt, und daß du, wenn du den Hügel hinaufgehst, so gehst, [hier folgt eine kleine Zeichnung Melvilles, die einen Baum und etwas Gesträuch zeigt, sowie zwei beinah winzige Gestalten, die sich an der Hand halten] Leb wohl – Papa.” So, als ob es doch möglich sei, die Faust in die flache Hand zu entfalten, wie Johann Georg Hamann dies gefordert hat, und sich die Hände zu reichen. So, als ob es vielleicht den Aufbruch des Vergessens nach nichts mehr verlangte, als eben nach dieser einfachen, singulären und einfältigen Handreichung, das Wagnis dieser unwahrscheinlichen Berührung, die weder führen noch hüten will.
Verkehr bedeutet auch, dass etwas am verkehrten Ort sich befindet und an den richtigen gelangen soll. Was aber, wenn man gar nicht weiß, wo der richtige oder verkehrte Ort ist, beinah jeder Ort ein optionaler Lande- oder Startplatz? Der Helikopter hat den Verkehr revolutioniert, weil er senkrecht abzuheben und aufzusetzen, potenziell alle Objekte in jedes beliebige Gelände zu transportieren und von dort aufzunehmen vermag, in der Luft „stehen“ kann (wozu im Tierreich allenfalls Libellen und Kolibris in der Lage sind) und eine erstaunliche Wendigkeit besitzt. Weshalb auch die Bilder seines Verkehrsverhaltens auf bemerkenswerte Weise in unsere Kulturen eingeflogen sind.
Der hungrigsten Hand bleibt oft nur das kleine Erbsenbein, übrigens. Pisiforme und accessorium. Peinlich, und anhänglich. Hündisch das Fleisch, nagend der Zahn.
Out now: Ossa carpi, manierlich – gemeinsam mit René Luckhardt und Tobias Hantmann. Im Salon Verlag Köln. Get your Copy here: Salon Verlag & Edition Powered by Galerie Bernd Kugler, Innsbruck. Graphic by Steffen Henrich.
In 2015 HER was published by Konterfei (Vienna) in a limited edition of 200 copies. Cover Design by Caprice Crawford & Theo Ligthart. Publishing concept by Robert Jelinek & Elena Henrich. Broderie anglaise // Lochstickerei by Frau Luckhardt.
Andreas L. Hofbauer
Das Haus mit den lachenden Fenstern // The house with the laughing windows
René Luckhardt
Der Stoff, aus dem Großmütter sind // The stuff grandmothers are made of
Hermetic Experimental Research
A laboratory talk by René Luckhardt and
Andreas L. Hofbauer with Andreas L. Hofbauer and
René Luckhardt.
“Die Mehrzahl derer, mit denen wir im Gespräch sind, sind ohnehin längst tot.”
Reading from my German translation of the astonishing “John the Posthumous” by Jason Schwartz at Espace Diaphanes // Berlin. Upcoming soon. Pics by Hendrik Rohlf.
Catalogue for the exhibition 5 is a different 1 by Réne Luckhardt at Galerie Bernd Kugler (Innsbruck / AUT). (Opening June 14th, 2018. 6 pm)
Luckhardt’s paintings are the artistic approach to a photograph of underground icon Marjorie Cameron (1922-1995). The Californian actress, visual artist, poet and occultist was and is the enigmatic protagonist of a counterculture whose influence can still be felt today. Luckhardt’s paintings dissect the black-and-white photograph of hers into innumerable variants. Inconspicuous details oft he photograph are transformed into painterly-graphic compositions in their own right and, in a surprising twist, rearranged in a sculptural and discursive way. The title 5 is a different 1 summarizes such an approach in the form of a slogan.
The work is inspired by Andy Warhol’s pop position Marilyn of a modern icon. From an almost void and ante-chamber of imagery, it is contrasted with this model of an angel of a very different kind. As a consequence it carries neither the name Marjorie, nor Cameron – what enters the stage is at best: Marjolyn.
The exhibition is accompanied by a catalogue with a short essay by Andreas L. Hofbauer in a limited edition of 150 copies. Artist and author will be present at the opening.
La Castiglione visits Berlin! UA von Place Fantôme am 26. Mai 2018. (R: Ivan Stanev, La Castiglione: Jeanette Spassova)
Das Symposium La plus belle femme du siècle. Multispektrale Bildgebungen findet am 27. Mai 2018 statt.
Es erscheint ein Katalog!
“Die Schädel toter Ahnen, die man einstmals in offenen oder versteckten, dunkeln oder hellen Kammern aufgestellt hat, damit sie den Mitgliedern der Gemeinschaft schweigsam Gesellschaft leisten konnten, wandelten sich zu Masken, polierten Grabsteinen, Fotoalben, Videobotschaften, die kurz vor dem Ableben aufgezeichnet werden, undSocial-Media-Accounts, die ihrer Wiederauferstehung nach dem Ende des Internets harren. Die mannigfaltigen Seelen haben sich entfernt, sich aber nicht verschlucken lassen.” (aus: Entfernte Seelen by ALH, in: Place Fantôme, Berlin/Paris 2018)
The author translated Agnes Heller for the exhibition Hämatli & Patriæ at MUSEION (Bolzano/Italy). The catalogue was published by Humboldt Books (Milan/Italy)